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|ak 711 | Lesen |Rezensionen: aufgeblättert

Linke Medienkritik

Aufgeblättert: »Medien. Macht. Meinung« von Renate Dillmann

Von Joshua Graf

Seit jeher ist Medienkritik eine zentrale Domäne der politischen Linken. Renate Dillmann bereichert diesen Fundus nun durch ein höchst lesenswertes und leicht zugängliches Buch zu einem brandaktuellen Thema. Wie funktioniert mediales Framing? Warum heißen Bewaffnete mal »Aufständische«, mal »Terroristen« und wieder ein anderes Mal »Freiheitskämpfer«? Woher kommt der weitgehende Konsens in der doch so gerühmten freien Presse der Bundesrepublik? Auf diese und viele weitere Fragen gibt Dillmann wertvolle Antworten. Besonders empfehlenswert ist dieses neuestes Werk von Renate Dillmann, da es eine vorhandene Theorielücke linker Medienkritik thematisiert. Entgegen der weitverbreiteten Auffassung einer Manipulation der Bürgerinnen durch die Medien, welche diesen lediglich eine passive Rolle zuschreibt, nimmt Dillmann die Frage ernst, warum die Bürgerinnen die unübersehbaren Diskrepanzen in der medialen Berichterstattung hinnehmen. Dillmann zeigt auf, wie die Medienkonsument*innen selbst den nationalen Standpunkt teilen, statt diesen als Zumutung an die eigene Vernunft zurückzuweisen. Dadurch liefert Dillmann ein Lehrstück dafür, wie radikale Kritik selbst eine Form politischer Praxis ist. Mit drei aktuellen Fallbeispielen (Ukraine, Gaza und China) verbindet sie Medien- und Ideologiekritik auf eine Art, die die herrschenden Zustände zum Tanzen bringt.

Renate Dillmann: Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit. PapyRossa Verlag, Köln 2024. 239 Seiten, 17,90 EUR.